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Mrz 24

Die Renaissance des deutschen Weins

Viele Jahre lang griffen die Deutschen bevorzugt zu italienischen und französischen Weinen. Auch Produkte aus Südafrika oder sogar Kalifornien waren gefragt. Seit einiger Zeit lässt sich jedoch eine Trendwende feststellen. Deutscher Wein ist wieder beliebt. Mögliche Ursachen dafür werden in diesem Artikel erläutert.

Ein wichtiger Faktor ist sicher das gestiegene Umweltbewusstsein der Verbraucher beim Einkauf. Transparenz bei Informationen über Produktionsbedingungen, Transport und Verpackung einer Ware wird heutzutage vom Kunden verlangt. Das gilt auch für Wein, und deutscher Wein wird auf alle Fälle nicht über den halben Globus geschifft, ebenso werden Erntehelfer in Deutschland nicht ausgebeutet. Bei Wein aus anderen Ländern weiß man oft nichts darüber, und daher greift der Verbraucher verstärkt zum heimischen Produkt: geringe Umweltverschmutzung durch Transporte, Bio- und andere Qualitätssiegel und Produktionsvorschriften, über die sich jeder informieren kann schaffen Vertrauen.

Deutscher Wein ist auch deshalb wieder stark nachgefragt, weil die Winzer und ihre Vermarkter aktiv für ihre Erzeugnisse werben. Imagekampagnen, Internetpräsentationen und Auftritte bei Messen trugen zu einem größeren Bekanntheitsgrad der deutschen Hersteller bei. Die Vermarktung als Lifestyleprodukt für bessergestellte Kreise ist ebenso auffällig. So kann sich der kultivierte Genießer vom langweiligen Biertrinker aus der Unterschicht abgrenzen. Dazu passt auch, dass immer wieder Prominente zum Hobbywinzer werden, zuletzt Günther Jauch. Als der Moderator seinen ersten Jahrgang in Mainz präsentierte, war der Andrang des Publikums enorm, auch wenn das Interesse eher Günther Jauch galt als seinem Wein. Dennoch hat deutscher Wein auf diese Art und Weise im Verlauf der vergangenen Jahre ein besseres Image bekommen.



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Ein weiterer aktueller Trend ist der Griff vieler Kunden zum regionalen Produkt, und das nicht nur aus moralischen Erwägungen wegen der Umwelt und fairer Bezahlung heraus. Vielmehr haben viele Leute schlicht und einfach keine Lust mehr, anonym im Supermarkt einen Massenwein zu kaufen, sondern sie wollen das Gefühl, ein wertzuschätzendes Produkt zu erwerben. Dies kann dadurch geschehen, indem man direkt beim Winzer einkauft oder im Weinladen: Deutscher Wein, von dem man weiß, wo er angebaut wurde und wer ihn angebaut hat. So bekommt die einzelne Flasche ein Gesicht und eine Geschichte, die die Ware im Supermarkt nicht hat.

Abgesehen davon überzeugt deutscher Wein natürlich auch durch seine Qualität. Da er lange Jahre, auch aus politischen Gründen, ein schlechtes Image hatte, ignoriert man einen guten Geschmack leicht und unterwirft sich beispielsweise in allgemeiner Italienbegeisterung irgendeinem Modetrend. Diese Zeiten sind vorbei, und der Weintrinker lässt sich wieder auf die Möglichkeit ein, dass auch deutscher Wein etwas taugt und voilà: Es wird wieder gekauft. Was sich viel schwerer ändern lassen wird, ist, dass Deutschland nicht als Weinland berühmt ist. Bei Frankreich, Österreich oder Italien denkt jeder sofort an Wein, bei Deutschland nicht. Hier werden nur einzelne Regionen, wie Franken, Baden oder die Pfalz, mit Wein in Verbindung gebracht, obwohl auch in den anderen Ländern natürlich nicht flächendeckend Wein angebaut wird. Dass Deutschland als Weinland ins kollektive Bewusstsein der Bevölkerung eingeht – zumindest mal im eigenen Land und in Europa – ist die nächste Aufgabe, die sich deutsche Winzer stellen sollten. Klappt dies, so wäre Deutschland um eine Facette reicher.

Sonnige Grüße aus dem Weinland

Bettina Ehrling

http://weingut-paternushof.com/quiz

 

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